Gefühle
Vor Gefühlen kann man davon laufen. Sie sind mächtig. Auf ihnen basiert fast unser gesamtes Leben. Entscheidungen, die getroffen werden, können aus dem Bauch heraus oder nach reiflicher Überlegung getätigt werden. Gefühle kommen und gehen. Manche jedoch bleiben. Bleiben teilweise sehr lang und ihr Nachhall verliert sich nie völlig. Eine Entscheidung, die nach reiflicher Überlegung getroffen wird, erweckt den Anschein - im Gegensatz zu einer spontanen "aus dem Bauch" gefällten - ohne jeglichen Einfluss von Emotionen entstanden zu sein. Jedoch müsste diesem Anschein widersprochen werden. Theorien und Prinzipien sowie Erfahrungen sind immer emotional verankert - ob nun mit Gleichgüligkeit, Zustimmung oder Ablehnung behaftet. Die erste Reaktion und die späteren Ereignisse oder Reaktionen um eine Idee sind immer behaftet mit Emotionen.
Eine Entscheidung ohne jegliches Gefühl davor, danach oder währenddessen erscheint unmöglich. Doch auch wenn dies immer der Fall sei, versucht man manchmal vor seinen Gefühlen davon zu laufen. Entscheidend hierbei ist, ob einen die Gefühle einholen und in den Rücken treffen, sodass sie völlig unvermutet kommen und einen überfordern, ob man sich ihnen standhaft entgegenstellt und ein Schutzschild errichtet oder ihnen gelassen entgegen tritt.
Bisher rannte ich davon, nun versuche ich immer nur wenige Emotionen durch das Schild zu lassen. Was würde passieren, wenn ich es ließe und alle kämen? Säße ich wirklich in der Ecke weinend?
fassussia am 15. Juli 13
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Familie wieder abgereist
Gestern kam ganz spontan noch meine Mutter vorbei zum Frühstück. Es brach Chaos aus. Aufräumen, Saugen, Einkaufen, Umräumen. Meine kleine Schwester konnte sich nicht entscheiden, welche Haribotüten sie nun bräuchte, weshalb unsere Mutter vor uns in der Wohnung ankam und meine Freundin anlächelte!
Die Rückfahrt ging rasant und meine Mutter war entspannt. Etwas noch nie da gewesenes. Lustigerweise gab es Geschenke und meine Schwester wollte meine haben. Etwas, was ich bei dem rosa Einzug fast zugelassen hätte.
Familie futsch und eine sehr liebe und lustige Freundin wieder abgereist. Streit mit meiner Freundin, nicht der Bulimie nachgegeben. Wirklich emotionales Wochenende. - Morgen hat Vater Geburtstag und Lernen beginnt wieder.
fassussia am 13. Juli 13
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Mit seiner eigenen Familie nichts anfangen können...
Es ist komisch. Als Teenager dachte ich nicht darüber nach, ich fühlte mich einfach unwohl, doch auch darüber dachte ich nicht nach. Mit einem einjährigen Internataufenthalt änderte sich alles. Plötzlich passte ich nicht mehr haargenau in des Familiengefüge. Der Organismus lief holprig. Meinen Geschwistern war dies - wie ich es empfand - egal. Mein Vater erkannte allmählich, dass ich eine eigenständig denkende und handelnde Person bin. Meiner Mutter passte dies gar nicht. Nach außen war sie irrsinnig stolz wie toll und unabhängig ich doch sei. Mir gegenüber war sie hart, desinteressiert und fordernd. Probleme durfte ich nicht erzählen - sie, mein Vater, meine Geschwister schon. Überall wurde ich klein gehalten und an mir herum gezerrt. Aber wieder gab es einen schönen Schein. Meine Sexgeschichte, offensichtliche Depression und andere Dinge fielen unter den Tisch, außer sie packte sie aus, um über ihr anstrengendes und schreckliches Leben zu erzählen. All das machte ich mit. Ich ging in Therapie für sie, gab mir Mühe durch etliche Gespräche, an die sich alle nicht erinnern kann, mich verständlich zu machen, doch leider half dies alles nicht. Als ich mich entschloss einen Schlussstrich zu ziehen fiel sie natürlich aus allen Wolken. Sie hätte eine so besondere Verbindung zu mir, sie wolle dies auch nicht jetzt einsetzen, aber sie wolle mich auch nicht verlieren, ich wäre die einzige Person in ihrem Leben, der sie sich so anvertrauen könne... Sie erzählte mir ihre traurige Geschicht, die meiner Meinung nach, gar nicht zu den bisherigen Erzählungen passte und auch nicht so jammervoll ist. Aber es ist ihr Leben mit ihren Gefühlen.
Mit 18,5 Jahren zog ich aus meinem Elternhaus aus. Wirklich zurückkehren tat ich nicht mehr. Viele unschöne Ereignisse folgten dieser Entscheidung und ich trug sie. Als mir nach einem halben Jahr endlich ein Licht aufging und ich meiner Mutter endlich durch Offenheit näher kommen wollte, zog sie es vor meine Freundin als "nicht vorzeigbar" zu titulieren und sie raus zu schmeißen (ein Jahr später). Trotz allem riss ich mich zusammen und versuchte und versuchte wirklich zu lange ein gutes Verhältnis mit ihr auf zu bauen. An dem Tag, an dem ich beschloss, den zweiten Weihnachtstag nicht im Familienkreis zu verbringen, brauchte sie auf einmal Zeit für wichtige Gespräche. Sie wollte mit mir reden. Sie wünschte es sich zum Geburtstag. Ich war geschockt. Was sollte das? Nach über 20 Jahren hatte die Frau den Wunsch ihre Tochter wirklich kennen zu lernen? Einen Menschen, von dem sie immer auf natürlichste Weise annahm, ihn besser zu kennen als dieser sich selbst? Ich habe kein Interesse mehr.
Meine Schwester ist da und besucht mich. Erinnerungen an viele offene und tiefsinnige sowie ehrliche Gespräche kommen zurück. Dies ist sehr lange her. Heute steht eine Person vor mir, die mich in ihrem Habitus und Einstellung sehr an meine Mutter erinnert. Ich versuche den Menschen zu finden, den ich vor langer Zeit kannte, auch wenn es sich theatralisch anhört. Personen ändern sich und ich will versuchen wenigstens mit einem Geschwisterteil noch irgendwie etwas anfangen zu können, doch nicht mehr mit dem Preis meinen Charakter zurück zu stellen.
Manche Menschen nennen mich zickig und die Version, die ich vorziehe ist kratzbürstig, wie mein Hausarzt feststellte. Es trifft mehr, wie ich mich in dem Moment fühle. Nie wieder will ich mich dafür schämen, ich zu sein.
fassussia am 11. Juli 13
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Ein schöner Tag heute. Zwar brannte die Schokolade an, doch schmeckten die Muffins.
Nicht jugendfrei: Ende
Sonne scheint. Sonne lacht. Himmel strahlt. Himmel blau.
Gelbe Blumen gesehen. Sonne genossen.
Nachklang:
Seit einem Tag stalke ich Facebook. Schrecklich, wenn man sich wünscht, dass jemand schreibt.
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fassussia am 07. Juli 13
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Studium und Modul Mathematik
Warum müssen Ingenieure Mathe belegen? Ganz ehrlich? Nichts von dem, was in zwei Semestern gelehrt wird, ist auch nur ansatzweise brauchbar für uns. Maximal - maximal!!!! - Integral- und Differenzialrechnung, aber diese hatte man auch schon in der Schule! Warum soll ich den Wert einer Reihe kennen oder wissen ob die Folge konvergiert? Was bringt es mir zu lernen, was Mengen sind und wie man mit diesen theoretischen Konstrukten umgeht?! Selbst die Dozenten sagen, wir bräuchten es nicht im Beruf.
Ein Hoch auf unser Bildungssystem.
Wir werden Bulimielerner und haben ein ach so breite Allgemeinbildung.
fassussia am 06. Juli 13
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was etwas offenheit bewirkt
Seit 2,5 Monaten leben wir zusammen. Seit dem Einzug hatte ich Angst dich zu verlieren. Also habe ich mich abgelenkt, nicht über Beziehungen nachgedacht - natürlich - ohne Erfolg. Bis vorhin dachte ich sie zu verlieren.
DANN ein Lachen, Glucksen, ein nackter Hintern hüpfte durch die Wohnung und eine Prise Offenheit: Schwupps ist es gut - pardon, das ist falsch - es ist super, kuschelig und sexy! Perfekt, besser als jeder Traum.
Das Rezept ist ausgestellt, das Heilmittel gefunden. Ready to use.
Ich habe ein Rätselheft, Mathematik zu lernen und die wunderschönste und klügste, warmherzigste Frau auf dieser Welt zur Freundin.
fassussia am 05. Juli 13
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Schlecht sein
Es ist so bescheiden fest zu stellen, dass man selbst kein guter Mensch ist, dass man seine Gefühle nicht kontrollieren kann und sie an einem geliebten Menschen raus lässt und dieser Mensch dadurch selbst sehr, sehr traurig und depressiv wird. Ein "es tut mir leid" ist nur noch schal, auch wenn es vollkommen ernst gemeint ist. Versucht man sich zu ändern - schon so oft - es klappt einfach nicht.
In einer sich abwärtsdrehenden Welt
kommt es einem so irreal vor
zu lieben, zu lachen, zu weinen.
Keine Gefühle zulassen,
nicht die eigene Verzweiflung spüren, wahrhaben wollen.
Lieber schreien, schreien, schreien
Nicht weinen!
An anderen den eigenen Schmerz sehen.
Nicht selbst zerbrechen.
Das will ich nicht,
doch tue ich es.
Laufe weg und komme nicht wieder.
Stelle mich nicht der Herausforderung.
Verstecken, lügen.
fassussia am 04. Juli 13
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Kommilitonen
Ich studiere ein Fach, welches eine Quote von 30% Frauen hat. Dazu kommt, dass bestimmt 80% der Studierenden und Lehrenden dieser Universität einen Migrationshintergrund besitzt. Interessant ist nun, wie sich dies auf den Umgang mit Nachrichten, Rechtsradikalen und Elitestudenten auswirkt:
Meine erste Gruppenarbeit bisher begann recht lustig. Ein Araber, der mit zehn Jahren nach Deutschland kam, fragte die einzige deutschstämmige der Gruppe - sie kam als letzte zum ersten Treffen, hat aber blaue Augen und blondes Haar - ob sie auch eine Ausländerin wär. Diese ganz verdutzt fing an zu stottern und begann von ihren Vorfahren - Hugenotten - zu erzählen. Daraufhin gab es lange Gesichter der anderen.
Nächster Fall: Perserin - in Deutschland aufgewachsen - trifft auf Muslima - mit acht Jahren nach Deutschland immigriert: "Du bist doch keine Türkin!" - "Doch." - "Ne, ich denke du bist Griechin" - "Nein, ich bin wirklich türkisch." - "... oder doch Bosnierin?"
Dozent: Eindeutig Osteuropäer: Die Bearbeitkeit des Werkstoffs - Student zeigt auf: "Was meinen Sie mit Bearbeitkeit?" In diesem speziellen Fall, ist auch zu bemerken, dass besonders "Deutsche" das Gesprochene sowie Geschriebene dieses Dozenten schwer verstehen und sich darüber lustig machen, während ihre "ausländischen" Studenten fast alles verstehen oder sich zumindest nicht darüber lustig machen.
Nächste Geschichte: Zwei muslimische Studentinnen und Freundinnen machen aus, im nächsten Praktikum mit einer Deutschen zu arbeiten, da diese die Drecksarbeit machen würden und sehr gut sein. Sie selbst setzen diesen Plan um und steuern nichts zur Arbeit bei. Pech für die beiden Damen: Eine weitere Türkin arbeitet in dem Praktikum und versteht jedes Wort...
Im Rhetorikkurs sitzen 3 deutschsprachige Studenten und 13 Japaner. Erkläre das Wort "Wespe". Der Dozent war leicht überfordert und die Napoleon anhimmelde Studentin rastete aus. Am Ende war mit "bssssssss" klar, was das sein sollte.
Zuletzt: Ein renommiertes Magazin bringt eine Dokumentation über junge Akademiker, die aus dem Ausland nach Deutschland kommen um zu arbeiten. Auf dem Titelblatt ist ein Bild von allen Interviewten. Die Deutsche, die auf dem Land groß wurde, erblickt es und denkt sich: "Interessant, etwas über deutsche Akademiker" (sie hatte den Text nur überflogen)
Verrückte Kiste. Ausländer sind Ausländer? Deutsche sind Deutsche? Der Unterschied besteht in: Sprache, Aussehen, Religion und "Kultur". Stimmt das? Mh, Sprache: Kann stimmen, muss nicht: Verständigung klappt bisher auch mit Händen und Füßen. Aussehen: Knackpunkt Adoptivkinder und Menschen aus Süd- und Norddeutschland. Religion: Religionsfreiheit! Kultur: Nach Religionsfreiheit, Atheismus und Nudisten was ist die eine, die einzige "deutsche" Kultur?!
Alles Menschen, Frauen, Männer, Familien, Kinder, warum Ausländer?
Anders ist in diesem Land sogar ein anerkannter Name. Wir haben wohl alle mehr gemein als uns bewusst ist.
fassussia am 01. Juli 13
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