Kommilitonen
Ich studiere ein Fach, welches eine Quote von 30% Frauen hat. Dazu kommt, dass bestimmt 80% der Studierenden und Lehrenden dieser Universität einen Migrationshintergrund besitzt. Interessant ist nun, wie sich dies auf den Umgang mit Nachrichten, Rechtsradikalen und Elitestudenten auswirkt:

Meine erste Gruppenarbeit bisher begann recht lustig. Ein Araber, der mit zehn Jahren nach Deutschland kam, fragte die einzige deutschstämmige der Gruppe - sie kam als letzte zum ersten Treffen, hat aber blaue Augen und blondes Haar - ob sie auch eine Ausländerin wär. Diese ganz verdutzt fing an zu stottern und begann von ihren Vorfahren - Hugenotten - zu erzählen. Daraufhin gab es lange Gesichter der anderen.
Nächster Fall: Perserin - in Deutschland aufgewachsen - trifft auf Muslima - mit acht Jahren nach Deutschland immigriert: "Du bist doch keine Türkin!" - "Doch." - "Ne, ich denke du bist Griechin" - "Nein, ich bin wirklich türkisch." - "... oder doch Bosnierin?"
Dozent: Eindeutig Osteuropäer: Die Bearbeitkeit des Werkstoffs - Student zeigt auf: "Was meinen Sie mit Bearbeitkeit?" In diesem speziellen Fall, ist auch zu bemerken, dass besonders "Deutsche" das Gesprochene sowie Geschriebene dieses Dozenten schwer verstehen und sich darüber lustig machen, während ihre "ausländischen" Studenten fast alles verstehen oder sich zumindest nicht darüber lustig machen.
Nächste Geschichte: Zwei muslimische Studentinnen und Freundinnen machen aus, im nächsten Praktikum mit einer Deutschen zu arbeiten, da diese die Drecksarbeit machen würden und sehr gut sein. Sie selbst setzen diesen Plan um und steuern nichts zur Arbeit bei. Pech für die beiden Damen: Eine weitere Türkin arbeitet in dem Praktikum und versteht jedes Wort...
Im Rhetorikkurs sitzen 3 deutschsprachige Studenten und 13 Japaner. Erkläre das Wort "Wespe". Der Dozent war leicht überfordert und die Napoleon anhimmelde Studentin rastete aus. Am Ende war mit "bssssssss" klar, was das sein sollte.
Zuletzt: Ein renommiertes Magazin bringt eine Dokumentation über junge Akademiker, die aus dem Ausland nach Deutschland kommen um zu arbeiten. Auf dem Titelblatt ist ein Bild von allen Interviewten. Die Deutsche, die auf dem Land groß wurde, erblickt es und denkt sich: "Interessant, etwas über deutsche Akademiker" (sie hatte den Text nur überflogen)

Verrückte Kiste. Ausländer sind Ausländer? Deutsche sind Deutsche? Der Unterschied besteht in: Sprache, Aussehen, Religion und "Kultur". Stimmt das? Mh, Sprache: Kann stimmen, muss nicht: Verständigung klappt bisher auch mit Händen und Füßen. Aussehen: Knackpunkt Adoptivkinder und Menschen aus Süd- und Norddeutschland. Religion: Religionsfreiheit! Kultur: Nach Religionsfreiheit, Atheismus und Nudisten was ist die eine, die einzige "deutsche" Kultur?!

Alles Menschen, Frauen, Männer, Familien, Kinder, warum Ausländer?
Anders ist in diesem Land sogar ein anerkannter Name. Wir haben wohl alle mehr gemein als uns bewusst ist.